Paul Nijman
Dipl. Architekt
+ Baubiologe SIB
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6207 Nottwil
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Holzenergiepreis Freiamt 2012

Stückholzheizung mit Hypokaustenwänden

von Jules Pikali, Holzenergie Freiamt

Mit dem Holzenergiepreis für das Jahr 2012 werden Carol und Stefan Kaufmann-Wong mit ihrem neuen Einfamilienhaus in Oberlunkhofen und der eingebauten Hypokaustenheizung ausgezeichnet. Das realisierte Projekt kombiniert eine energiesparende Bauweise mit einer Grundofen-Stückholzfeuerung für die Wärmeerzeugung. Für die Wärmeverteilung wurde ein Hypokaustensystem eingebaut, welches die Wärme als Ganzhaus-Heizungssystem ohne Elektrizitätsbedarf verteilt und zudem für einen erstklassigen Komfort sorgt.

Als Carol und Stefan Kaufmann-Wong vor dem Entscheid standen, auf dem Grundstück in Oberlunkhofen ein Wohngebäude zu realisieren, war die Wahl des Architekten eine erste zentrale Entscheidung: Das Projekt sollte energiesparend sein, im Einklang mit der Natur stehen und den Charakter der Bauherrschaft widerspiegeln. Mit Paul Nijman fand das Paar einen Architekten, der in der Lage war, die Bedürfnisse der Bauherrschaft zu erkennen und umzusetzen. Es entstand ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung in Holzriegelbauweise mit einer Lehmausfachung und Lehmverputz. Die Wärmedämmung wurde mit Zellulosefasern realisiert. Das verwendete – einheimische – Lärchenholz schafft kombiniert mit dem Lehmverputz ein sehr angenehmes Wohnklima und entspricht dank der dampfdiffusionsoffenen Konstruktion baubiologischen Anforderungen.

Stückholzheizung mit Hypokaustensystem

Als Heizsystem ist in beiden Gebäudeteilen je eine Stückholzheizung eingebaut. Die grosse Masse der Stückholzheizung sorgt für eine lange Wärmespeicherung und eine kontinuierliche Wärmeabgabe. Für die Wärmeverteilung sorgt ein Hypokaustensystem. In den Hypokaustenwänden – es sind dies hohle Tonwände – zirkuliert die heisse Luft, welche einzig durch die Schwerkraft bewegt wird, in einem geschlossenen Kreislauf. Auf diese Weise wurde eine Wärmeverteilung realisiert, mit welcher absolut ohne Elektrizität das ganze Haus beheizt werden kann.

Bei der Hypokaustenheizung handelt es sich um ein System, welches bereits bei den Römern bekannt war. Es hat gegenüber den heute üblichen Fussbodenheizung verschiedene Vorteile: Die warmen Hypokaustenwände sorgen dank einer angenehmen Strahlungswärme für einen sehr angenehmen Komfort. Zu dem haben die Hypokaustenwände eine gute Speicherwirkung. Mit den im Heissluftsystem eingebauten Klappen kann die Wärmeabgabe an die Räume gesteuert und angepasst werden. Die Realisierung einer Hypokaustenheizung verlangt viel Erfahrung und wird von wenige n Spezialisten beherrscht. Der Ofenbauer Willi Fallegger aus Schüpfheim hat die Heizung dimensioniert und ausgeführt. Die Bauherrschaft, welche über den Betrieb der Heizung gründlich geschult wurde, bestätigt, dass die Anlage einwandfrei funktioniert.

Gute Wärmedämmung und passive Solarenergienutzung

Massgebend für den Energieverbrauch ist letztendlich eine gute, wärmegedämmte Gebäudehülle. Die nach Süd westen ausgerichtete Fassade mit grosszügigen Fenstern und einem Wintergarten unterstützen das Heizsystem mit einer passiven Sonnenenergienutzung.

Gleichzeitig bringen sie viel Helligkeit in die ganze Gebäudetiefe, wodurch eine hohe Tageslichtnutzung möglich ist und nur wenig Kunstlicht benötigt wird. Der niedrige Energieverbrauch des Gebäudes und die Energiespeicherung im Stückholzofen ermöglichen, dass in der Regel nur einmal täglich eingefeuert werden muss. Erst ab einer Aussentemperatur unter minus fünf Grad muss ein zweites Mal am gleichen Tag eingefeuert werden. Nach einer halben Heizperiode wird der Energiebedarf für die Heizung auf vier bis fünf Ster geschätzt. Sollte einmal im Winter eine Weile niemand zu Hause sein, muss nicht zwingend eingefeuert werden, weil mit der energiesparenden Gebäudehülle das Haus nicht auskühlt.

Carol und Stefan Kaufmann wissen, dass das Feuer im Stückholzofen oben angezündet wird. Auch wenn die Heizung nicht ganz automatisch funktioniert, der mit dem Anfeuern verbundene Aufwand ist gering, schafft einen Bezug zur Wärmeerzeugung und erzeugt zudem eine gute Stimmung. Es ist nämlich ein Erlebnis, das Feuer zu beobachten und man hat die Möglichkeit im Ofen auch mal etwas „warm zu stellen“.

Für die Wassererwärmung wird selbstverständlich eine Solaranlage eingesetzt und für das Brauchwasser wird Regenwasser genutzt. Mit der Photovoltaikanlage von 20 m2 (ca. 3 kWpeak) wird vermutlich der jährliche Elektrizitätsbedarf abgedeckt werden können.

Carol und Stefan Kaufmann haben ein Haus realisiert, welches ökologisch und ökonomisch Vorzeigecharakter hat. Beim Heizsystem wurde eine „Low-Tech“ - Lösung realisiert, bei welcher nicht nur erneuerbare, lokal verfügbare Energie verwendet wird, sondern auch ein grosser Komfortgewinn erzielt wird.